ANWALTSKANZLEI

IHRE PARTNER IM FAMILIEN- UND ERBRECHT

NOLTEMEIER • NIEDERL

Sorgerecht

 

Unter dem Begriff Sorgerecht versteht man das Recht und die Pflicht, für ein Kind zu sorgen, Entscheidungen für das Kind zu treffen und das Kind gesetzlich zu vertreten. Das Sorgerecht umfasst viele Teilbereiche. Dazu gehören beispielsweise das Schul- und Ausbildungsbestimmungsrecht, die Gesundheitssorge, die Wahl der Religion, die Entscheidung über Status- und Namensfragen, die Vermögenssorge und das Recht zu bestimmen, wo das Kind lebt. Dabei ist der letztgenannte Teilbereich, das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht, wohl der wichtigste, weil der Elternteil, bei dem das Kind lebt, die Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes allein entscheiden kann.

 

Sind Eltern miteinander verheiratet, steht ihnen die elterliche Sorge gemeinsam zu. Dies gilt grundsätzlich auch bei einer Trennung und/oder Scheidung. Nur wenn die Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht dem Kindeswohl dient, kann auf Antrag das Sorgerecht insgesamt oder in Teilbereichen auf einen Elternteil allein übertragen werden.

 

Sind die Eltern eines Kindes nicht miteinander verheiratet, steht grundsätzlich der Mutter das Sorgerecht allein zu. Durch die Beurkundung einer gemeinsamen Sorgeerklärung, z.B. beim Jugendamt, kann das gemeinsame Sorgerecht installiert werden. Stimmte die Mutter dieser gemeinsamen Sorgeerklärung nicht zu, war einem Vater bisher die gemeinsame oder alleinige elterliche Sorge verwehrt. Hier erfolgte aufgrund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte eine Gesetzesänderung. Nunmehr hat ein Vater die Möglichkeit, in einem vereinfachten Verfahren beim Familiengericht die gemeinsame elterliche Sorge zu beantragen.